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| Glanz&Elend Literatur und Zeitkritik |
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Von Georg Patzer Es ist ein Land der Feindseligkeiten und der vergeblichen Suche nach Zufriedenheit. »Die Suche nach Glück« steht zwar in der Verfassung, aber die Menschen wissen nicht, wie das gehen soll: »Als Jane mich wegen Barry Kramer verließ, hat das sehr wehgetan, aber zu der Zeit war von uns beiden schon nicht mehr viel übrig. Seit längerem waren wir nur noch ein Krach gewesen, der nach Möglichkeiten suchte, zum Ausbruch zu kommen.« So fängt eine Geschichte an, eine von vielen des Kanadiers Wells Tower, die vor allem von Männern erzählen, die nicht so recht wissen, wo sie das Glück finden sollen. In einer erwacht Bob Munroe »flach auf dem Gesicht. Die Kinnlade tat ihm weh, und die Morgenvögel krakeelten, und in seiner Unterhose zwackte es unangenehm.« Bob hatte eine Affäre, »eine freudlose Angelegenheit.« Und dann sah seine Frau Vicky den Fußabdruck einer Frau an der Windschutzscheibe. Er stammte nicht von ihr, und sie warf Bob hinaus. Oder Matthew, der sich einen Berg gekauft hat und nach sechs starken Drinks seinen Bruder Stephen anruft, mit dem ihn seit vielen Jahren eine Hassliebe verbindet. Oder Lucy, die einen älteren Mann geheiratet hat, sich von ihm trennt und nach vier Monaten wiederkommt: »Mein Vater nahm sie zurück, ohne ihr zu verzeihen, und betrog sie danach immer wieder, weil er sich und ihr das schuldig zu sein glaubte.« Und seinem Sohn gegenüber hat der Alte nur eine »aggressive Gleichgültigkeit«. Tower erzählt von all diesen Menschen, die eigentlich alle nicht so recht wissen, was sie wollen, was sie sollen, wozu sie leben. Und vor allem, was sie fühlen. Zerstörung und Selbstzerstörung beherrscht ihr Leben, wie das von Derrick und Claire, die sich ständig mit billigem Wodka betrinken. Oder die Freundinnen Stacey und Maya, die sich mit bösen Bemerkungen quälen, sich gegenseitig vor den Jungs bloßstellen, lächerlich machen. »Alles zerstört, alles verbrannt« ist ein hochgelobter Erstling von einem knapp vierzigjährigen Autoren, der schon mit vielen Preisen bedacht wurde. Aber man merkt doch, dass er ein paar Schlacken noch loswerden muss. Immer wieder mal zählt er umständlich und weitschweifig auf, mit welchen Gegenständen sich seine Helden umgeben. Immer wieder begegnet man Sätzen, die nicht so recht auf den Punkt kommen, zu zögern scheinen, sich etwas unkonzentriert um die Helden schlingen.
Und das ist
schade, denn bei aller deprimierenden Schwermut und wuchtigen Aggressivität, die
sich oft in besinnungslosen Zerstörungsakten Bahn bricht, haben viele seiner
Stories eine große Kraft. Sie spießen die alltägliche Trostlosigkeit
erbarmungslos auf, lassen aber auch die Hoffnungsschimmer auf ein (mit)menschliches
Leben immer wieder mit einer sonderbaren, angedeuteten Zärtlichkeit aufblitzen:
Wenn Bob anfängt, Fische zu fangen und sie in ein riesiges Aquarium zu setzen.
Oder wenn der alte Mann, der in seinem Rollstuhl den ganzen Tag die Straße
beobachtet, sich schließlich doch einmal mühsam aufmacht, die Frau gegenüber zu
besuchen, von der er annimmt, sie sei eine Prostituierte. In solchen Momenten
spürt man, wie viel Kraft es kostet, nicht bei Sinnen, bei sich, bei seinen
Gefühlen zu sein. Und auch den kleinen Lichtblick, wenn man mal ganz bei sich
ist. |
Wells Tower
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